eSports Nord e.V.

Erste Kratzer im Lack?

Erste Kratzer im Lack? Irritation über die jüngsten Äußerungen der Landespolitik in Schleswig-Holstein

Als eSports Nord e.V. sind wir sehr stolz ein Teil des offenen, zukunftsweisenden und bunten Landes zwischen den Meeren zu sein. Für uns ist gerade der Blick auf den eSports relevant, für den wir uns tagtäglich einsetzen und wir opfern sehr viel unserer Freizeit für die Arbeit an der Entwicklung unseres Sports. Wir machen das gerne, weil für uns die Sache an sich es wert ist. Gerade Schleswig-Holstein erschien uns im politischen Diskurs als deutschlandweite Referenz, vor allem hinsichtlich der Punkte Anerkennung und Förderung.

Auf der Webseite des Deutschen Olympischen Sportbunds ist nun ein Statement aufgetaucht, das titelt „Ministerpräsident Günther teilt „eSport“-Position des DOSB“. Um das im richtigen Kontext einzuordnen, ist Vorwissen in zwei Punkten erforderlich:

1. Daniel Günther (CDU) führt seit 2017 eine Koalition bestehend aus CDU, Grünen und FDP. Im Koalitionsvertrag heißt es zum eSports, dass man Tätigkeiten in diesem Segment als gemeinnützig anerkennen möchte. In einem Antrag vom 22. August 2018 haben mehrere Fraktionen des Landtags, unter anderem jene der CDU, die Landesregierung aufgefordert, sich des Themas eSports anzunehmen. Der Antrag wurde deutlich gebilligt.

2. Die Haltung des DOSB zum eSports ist, dass er kein Sport sei und man außerdem zwischen eSports (laut DOSB nur Sportsimulationen) und eGaming (alles andere) unterscheiden müsse. Wir sind schon mehrfach darauf eingegangen, dass diese Differenzierung aus wissenschaftlicher, sportlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht völliger Nonsens ist, um einmal deutliche Worte zu finden. Die Sportaspekte des eSports sind nicht, dass man digitale Sportinhalte konsumiert, sondern, dass man selbst Sport durch das aktive Wettbewerbsspielen betreibt – ganz gleich, was auf dem Monitor dargestellt wird.

Nun hat sich Günther auf dem Verbandstag des Landessportbunds (LSB) neuerlich zum eSports geäußert. Sein Blick auf das Thema habe sich inzwischen verändert: eGaming habe nichts mit einer Sportförderung zu tun. Der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident übernimmt nun als nicht nur den Wortlaut des DOSB, sondern auch dessen inhaltliche Positionierung in weiten Teilen.

Legt man diese Aussagen neben die beiden oben erläuterten Punkte, dann kann man feststellen, dass einer der einst größten politischen Fürsprecher des eSports mittlerweile die Haltung des größten deutschen eSports-Gegners übernommen hat. Das ist nicht nur schade, sondern fatal für die vielen ehrenamtlich Engagierten, den Standort Schleswig-Holstein als auch die gesellschaftliche Debatte.

Wir möchten an dieser Stelle aber auch nicht unerwähnt lassen, dass wir in der Vergangenheit sehr gut mit vielen politischen Organisationen und Personen zusammengearbeitet haben. Darunter befinden sich fast alle Parteien, inklusive der CDU. Wir werden uns von den Äußerungen eines einzelnen Politikers nicht von unserem Weg abbringen lassen, auch nicht in unserer Zusammenarbeit mit Parteien. Wir wissen, dass es auch in der CDU viele Menschen gibt, die den eSports sehr positiv sehen. Mit den Grünen und der FDP forcieren zwei Parteien das Thema geradezu in einer positiven Art und Weise und auch andere Parteien haben sich positioniert.

Insofern ist das Ergebnis von Günthers Aussagen von unserer Seite keine Resignation, sondern vielmehr eine Irritation, ein verwirrtes Kopfschütteln, gefolgt von einem Schulterzucken und der Überzeugung: Wir machen weiter!

https://www.dosb.de/…/ministerpraesident-guenther-teilt-es…/
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